Filmkritik: Full Metal Jacket
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| © Warner Bros. Film GmbH |
Köpfe werden kahlrasiert, die Männer blicken teilnahmslos ins Leere. Schon zu Beginn des Streifens wird dem Zuschauer klar, dass hier wird keine leicht-lockere Komödie, sondern ein Antikriegsfilm, der die ganze Sinnlosigkeit eines Konflikts in Bildern einfängt.
Nun,
wo befinden wir uns hier? Es ist 1967 und der erste Handlungsort das
harte Ausbildungs-Camp der US-Marines auf Parris Island, South Carolina.
Hier herrscht gnadenloser Drill durch den Gunnery Sergeant Hartman (R.
Lee Ermey).
Die
auszubildenden Soldaten werden gleich am Anfang von ihm beschimpft und
mit Spitznamen versehen, die ihre Charakter oder ihre Herkunft
beschreiben. Zum einen ist da "Private Joker", eigentlich James T. Davis
(Matthew Modine), der versucht, dem ganzen Drill mit Humor und
Aufsässigkeit zu begegnen, zum anderen der psychisch labile "Private
Paula", Leonard Lawrence (Vincent D´Onofrio), der ständig Fehler macht
und vom Drill Sergeant dafür bestraft wird oder der aus Texas stammende
Robert Evans (Arliss Howard), von Hartman nur "Private Cowboy" genannt. Hier nur ein kleines Beispiel von Hartmans Beschimpfungen (betrifft hier Private Paula): „Sie sind so hässlich, Sie könnten glatt ein modernes Kunstwerk sein!“
Da merkt man dann als Zuseher sehr schnell, dass die Identität von
Personen in der Armee keine Rolle mehr spielt und sie gewissermaßen
schon durch die Spitznamen erniedrigt werden.
Im
zweiten Abschnitt des Streifens geht es dann direkt los in Vietnam. Die
Soldaten wurden inzwischen auf verschiedene Einheiten der US-Army
verteilt. Dort wird nun aber schnell klar, dass die US-Amerikaner nicht
wirklich im Land des aufsteigenden Drachen willkommen sind. Private
Joker und sein Kollege Private First Class Rafterman (Kevyn Major
Howard) sind als Kriegsberichterstatter in der Armee angestellt und
ihnen wird bei einem städtischen Aufenthalt die Fotokamera von
Einheimischen geklaut.
Im Frühjahr 1968 starteten die kommunistischen Vietcong bzw. die nordvietnamesische Armee die sogenannte Tet-Offensive [Tết Nguyên Đán=vietn. Neujahrsfeiertag], was den US-Amerikanern schwere Verluste einbrachte und deren allmählichen Rückzug einleitete.
Auch Private Joker verliert bei einem Marsch zum "Perfume River (Hương Giang)"
einige seiner Kameraden in der Einheit, vor allem seinen besten Freund Private Cowboy, den er nach längerer Zeit wiedergetroffen hatte.
Schon
sehr beeindruckend, was Regisseur Stanley Kubrick hier 1987 auf die
Beine stellte. Aber das stellte er ja schon vorher unter Beweis. Zum Beispiel mit "Wege zum Ruhm" (1957), ebenfalls ein Kriegsfilm (spielt im 1. Weltkrieg), oder mit "2001 - Odyssee im Weltraum" (1968), mittlerweile ein Science-Fiction-Klassiker.
Obwohl der zweite Teil des Films in Vietnam spielt, wurde
hauptsächlich in Großbritannien gedreht, da Kubrick Flugangst hatte und
nicht gerne das Land verlassen wollte. Um eine authentische Erscheinung der Flora und Fauna des südostasiatischen Landes zu erzeugen, ließ Kubrick 200 Palmen aus Spanien und mehrere tausend Pflanzen aller Art aus Hongkong einfliegen. Die zerstörten Häuser der nachgeahmten Stadt Huế befanden sich auf einem stillgelegten und für den Abriss vorgesehenen Gaswerk in Londoner Bezirk Newham.
Sogar das gesamte, dargestellte militärische Waffenarsenal wurde auch im
Vietnamkrieg benutzt. Der Titel dieses Films bezieht sich übrigens
auf ein Vollmantelgeschoss (= full metal jacket), das ebenso damals
verwendet wurde.
Für
die passende Musik zeichnete Kubricks Tochter Vivian verantwortlich.
Sie verwendete hier allerdings ihr Pseudonym "Abigail Mead".
„Das Marine-Korps will keine Roboter, das Marine-Korps will Killer!“
Sikorsky S-58-Bordschütze.
The Short-Timers, Dispatches)
Fazit:
Ein Meisterwerk des Antikriegsfilms, der zwar keinen Oscar bekam, aber dafür einige Preisnominierungen sowie ausländische Trophäen. Mir sind insgesamt keine groben Filmfehler aufgefallen, daher meine Bestwertung: 10 von 10 möglichen Sternen:
⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐
Daten zum Film:
Spielfilm, GB/USA 1987, ca. 116 Min., FSK: 16. Darsteller: John Terry, Matthew Modine, Kevyn Major Howard, Vincent D´Onofrio u.a. Musik: Vivian Kubrick. Drehbuch: Stanley Kubrick/Michael Herr/Gustav Hasford. Produktion: Warner Bros.
Regie: Stanley Kubrick.

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