Filmkritik: L.A. Confidential
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| © Warner Bros. Film GmbH |
Los Angeles/Hollywood, das Jahr 1953 neigt sich dem Ende entgegen und das neue steht schon in den Startlöchern. Mithilfe einer Stimme aus dem Off zu Beginn des Films und durch einige Originalwerbespots wird L.A. als die Stadt der Zukunft präsentiert, in der man alles erreichen und quasi den "American Dream" ausleben kann. Doch noch während die wohlwollenden Bilder gezeigt werden, ändert der Sprecher (Danny DeVito) seine Sichtweise und stellt den Stadtteil Hollywood so vor wie er in der Realität ist - korrupt, dekadent und tödlich.
Genau so verhält es sich in diesem Neo-Noir-Film aus dem Jahr 1997 von Regisseur Curtis Hanson. Alles ist nur Fassade, dahinter verbergen sich die tiefen Abgründe der Menschheit. Ich wage zu behaupten, dass hier die Romanvorlage "Stadt der Teufel" (1990) von James Ellroy kongenial umgesetzt wurde, ohne dass ich jetzt das Buch genau kenne.
Kleine Definition des Genre-Begriffs "Neo-Noir": Ab zirka 1981 wird dieser Terminus von Filmkritikern benutzt, vorher sprach man vom "Film noir" (schwarzer Film). Derartige Streifen zeichnen sich durch eine deprimierende Weltsicht aus, mit frustrierten Protagonisten und meist einer us-amerikanischen Stadt als Handlungsort. Bei "Neo-Noir" wird der klassische Begriff weiter gefasst, was zum Beispiel Farbeinsatz, Bildformat, Produktionsland oder sogar einen Genre-Mix betrifft. Das hier behandelte Werk reproduziert allerdings sehr stark den "Film noir"-Bereich.
Schon der Titel des Streifens ist eine Anspielung auf das unverschämte Skandalblatt "Confidential" (= vertraulich), das von 1952 bis 1957 an der Westküste herausgebracht wurde. Danny
DeVito, zugleich der Sprecher am Anfang, verkörpert mit Sid Hudgens das Alter Ego des Verlegers Harrison.
Und genau wie im echten Leben gibt es in dieser Produktion auch ein Skandalblatt, nur mit dem Namen "Hush-Hush-Magazine", dessen Reporter er auch noch ist.
Hudgens bekommt seine Infos, in dem er Leute besticht, die sich in der "Stadt der Engel" gerne in der Nähe von Prominenz aufhalten. Ob diese Informationen wahr oder falsch sind, interessiert den Skandalreporter dabei nicht. Hauptsache er hat eine gute Story, die er schnell veröffentlichen kann.
Und da wären noch drei Polizisten des LAPD, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zum einen wird dem Zuschauer Lt. Edmund "Ed" Exley (Guy Pearce) präsentiert, der gerne schneller die Karriereleiter hochklettern möchte als sein Vater, zum anderen sind da noch Police Officer Wendell "Bud" White (Russell Crowe), der lieber Fäuste als Worte sprechen lässt und Detective Sergeant Jack Vincennes (Kevin Spacey), der gerne mal illegal was außerhalb des Dienstes dazuverdient.
Natürlich darf in einer Krimigeschichte wie dieser kein Mordfall fehlen. Eines Abends passiert ein schlimmer Überfall auf das Café "Nite Owl". Sechs Menschen werden dabei getötet, darunter auch ein gerade pensionierter Polizist namens Stensland (Graham Beckel). Die Polizei von L.A. verhaftet drei schwarze Jugendliche, die die Tat begangen haben sollen und sieht den Mehrfachmord als abgeschlossen an. Doch Bud White und später auch Ed Exley zweifeln stark daran, so dass beide auf eigene Faust ermitteln. Exley bezieht schließlich auch Jack Vincennes mit ein und es stellt sich heraus, dass ihr Vorgesetzter, Captain Dudley Smith (James Cromwell), hinter den Morden stecken könnte. Das mögliche Motiv dafür: Übernahme des Drogenhandels in der Stadt, nachdem Mafiaboss Mickey Cohen (Paul Guilfoyle) wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis gesteckt wurde [Anm. d. Autors: Mickey Cohen erinnert dabei stark an den Gangster Al Capone, der in den 1930er Jahren ebenfalls wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde].
Dieser kurze Abriss der Handlung spiegelt nur grob die etwas komplexere Geschichte des Films wieder. Es treten noch einige weitere Charaktere auf, die in Nebenhandlungssträngen näher ausgeleuchtet werden. Da haben wir zum Beispiel noch den zwielichtigen Millionär Pierce Patchett (David Strathairn), der sein Geld gerne mit Pornos und Edelprostituierten verdient, die wie Filmstars hergerichtet werden, teilweise sogar mithilfe der Schönheitschirurgie. Eine von ihnen ist Lynn Bracken (Kim Basinger), die sich auf Affären mit Bud White und Ed Exley einlässt. Des Weiteren gibt es da noch den homosexuellen Bezirksstaatsanwalt Ellis Loew (Ron Rifkin), der auch irgendwie mitmischt und ordentlich Dreck am Stecken zu haben scheint.
Das ist auch eine kleine Schwäche des Thrillers: Mehrere Handlungsstränge und viele Charaktere, bei denen ich mich manchmal gefragt habe: "Wer war jetzt das gleich wieder?" Man muss aber gleichzeitig ergänzen, dass "L.A. Confidential" nie den roten Faden verliert und gezielt auf den Showdown hinarbeitet.
Ein toller Neo-Noir-Streifen, der die Abgründe der Hollywood-Scheinwelt aufdeckt, mit typischer Abwechslung von Hell- und Dunkelbildern. Insgesamt eine beklemmende und pessimistische Sicht auf die Showstadt, in der manchmal Realität und Wirklichkeit verschwimmen. Ed Exley zum Beispiel hält in einer Restaurantszene die Schauspielerin Lana Turner für eine Prostituierte von Pierce Patchett, dabei ist sie tatsächlich Lana Turner.
Die Ausstattung und die Detailverliebtheit lassen einen wirklich eintauchen in ein 1950er Zeitkolorit. Entsprechende musikalische Einlagen tun ihr Übriges.
Die hervorragenden Schauspieler um das Triumvirat Spacey, Pearce und Crowe herum bringen ihre jeweiligen Rollen überzeugend rüber, so dass jederzeit Spannung und wenig Langeweile aufkommt, vor allem wenn diese drei Akteure auf dem Bildschirm zu sehen sind.
Nominierungen und Auszeichnungen für "L.A. Confidential" gab es 1998 zurecht einige. Etwa zwei Oscars (Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Nebendarstellerin) oder British Academy Awards, Golden Globe Award, Edgar Allan Poe Award u.v.m.
Fazit: Ein toller Neo-Noir-Krimi mit einem überzeugenden Schauspielerensemble. Einige Nebenhandlungen, eine Vielzahl von Charakteren und die teilweise vulgäre Sprache sind kleine Schwächen des Films. Meine Wertung daher: "Ausgezeichnet"! 9 von 10 möglichen Sternen: ⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐✰
Daten zum Film:
Spielfilm, USA 1997, ca. 132 Min., FSK: 16. Darsteller: Kim Basinger, Kevin Spacey, James Cromwell, Guy Pearce u.a. Musik: Jerry Goldsmith. Drehbuch: Curtis Hanson, Brian Helgeland. Produktion/Distribution: Regency Entertainment/Warner Bros.
Regie: Curtis Hanson.

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